Arzt hält ein Stethoskop gegen einen in sechseckige Waben geteilten Vordergrund
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Alles über die Facharztausbildung: Fakten, Wissenswertes und Tipps

Vielleicht befinden Sie sich noch im Medizinstudium oder blicken auf die ersten Jahre Ihrer medizinischen Karriere zurück. Die Facharztausbildung ist ein wichtiger Abschnitt auf Ihrer Karriereleiter und genau darum geht es in dem heutigen Beitrag: Wir liefern Ihnen Antworten auf Fragen wie der Notwendigkeit einer Facharztausbildung, worauf Sie bei Ihrer Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin achten müssen sowie weitere interessante Fakten.

Die beliebtesten Facharztweiterbildungen in Deutschland

Als angehender Facharzt oder angehende Fachärztin haben Sie die Möglichkeit, eine Spezialisierung in einem von 33 Fachgebieten zu wählen. Welche Facharztrichtung am besten zu Ihnen passt, finden Sie am besten heraus, indem Sie sich die Frage nach Ihren Interessen, Ihrer geplanten Karriere und den generellen Vorstellungen Ihrer beruflichen Laufbahn stellen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat im Jahr 2018 Medizinstudenten und Medizinstudentinnen gefragt, für welche Facharztausbildung sie sich entscheiden würden. Platz 1 belegte mit 14,2 % die Facharztausbildung der Inneren Medizin, gefolgt von der Kinder- und Jugendmedizin mit 9,1 % und der Allgemeinmedizin mit 8,8 %. Weitere beliebte Fachgebiete belegten die folgenden Plätze:

  • Facharztausbildung der Anästhesie: Platz 4 mit 7,9 %
  • Facharztausbildung der Chirurgie: Platz 5 mit 6,5 %
  • Facharztausbildung der Neurologie: Platz 8 mit 4,6 %
  • Facharztausbildung der Radiologie: Platz 9 mit 2,3 %

Wann können Sie mit Ihrer Facharztausbildung starten?

Für eine Facharztausbildung gelten für jede Spezialisierung dieselben Voraussetzungen: Bevor Sie mit einer Facharztweiterbildung starten können, müssen Sie zunächst Ihr Medizinstudium sowie Ihr drittes Staatsexamen erfolgreich bestehen. Anschließend beantragen Sie Ihre Approbation, die Sie zur Ausübung des Arztberufs befähigt. Mit Beginn Ihrer Tätigkeit als Assistenzarzt oder Assistenzärztin starten Sie schließlich Ihre Facharztausbildung.

Um Fachärztin oder Facharzt zu werden, müssen Sie sich für einen Bereich entscheiden, beispielsweise für eine Facharztausbildung der Dermatologie oder Pathologie. Anschließend bewerben Sie sich bei einer passenden Weiterbildungsstätte und tragen nach erfolgreicher Facharztprüfung einen Facharzttitel.

Wo können Sie Ihre Facharztausbildung absolvieren?

Für die ordnungsgemäße Durchführung der Facharztausbildung ist entweder die jeweilige Landesärztekammer in Zusammenarbeit mit einem Universitätsklinikum oder eine weiterbildungsberechtigte Klinik verantwortlich. Eine Facharztausbildung in einer Praxis ist auch möglich, sofern die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen die Berechtigung besitzen.

Die einzelnen Landesärztekammern der Bundesländer werden auf der Webseite der Bundesärztekammer genannt, die wiederum Listen mit Weiterbildungsstätten führen.

Sie stellen Weiterbildungsordnungen auf, die sich je nach Bundesland unterscheiden können und wegweisend für die Zulassung zur finalen Prüfung sind.

Die Anforderungen variieren aber nicht nur nach Bundesland, sondern auch je nach Fachgebiet: Darunter zählt beispielsweise die Anzahl der Durchführungen bestimmter Untersuchungen und Behandlungen. Schließlich legen Sie Ihre Facharztprüfung vor der zuständigen Landesärztekammer ab. Um zu dieser Prüfung zugelassen zu werden, müssen Sie Ihre Zeugnisse vorab einreichen und lassen sich dafür im Laufe Ihrer Ausbildung jeden erreichten Meilenstein von Ihrem Vorgesetzten bescheinigen.

Warum ist ein Facharzttitel wichtig?

Der Grund für eine Facharztausbildung liegt zunächst auf der Hand: Sie interessieren sich besonders stark für einen Fachbereich und möchten Ihre Karriere als Arzt oder Ärztin darauf aufbauen. Darüber hinaus gibt es aber weitere gute Gründe für eine Ausbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin:

  • Aufstieg auf der Karriereleiter: Träumen Sie davon Ober- oder Chefarzt zu werden, ist ein Facharzttitel Voraussetzung dafür.

  • Praxisleitung: Sie möchten eines Tages eine Praxis gründen oder übernehmen? Um als Vertragsarzt oder Vertragsärztin bei gesetzlichen Krankenversicherungen zugelassen zu werden, ist ebenfalls ein Facharzttitel nötig. Möchten Sie als Ärztin oder Arzt ohne Facharztausbildung tätig werden, können Sie sich in einer Privatpraxis In diesem Fall dürfen Sie nur in Ausnahmefällen Leistungen von gesetzlichen Kassenpatienten abrechnen: beispielsweise bei Notfällen, Praxisvertretungen oder Leistungen innerhalb des verpflichtenden kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Zugang zu weiteren Qualifikationen: Nach der Erlangung Ihres Facharzttitels stehen Ihnen verschiedene Weiterbildungen offen. Somit haben Sie die Möglichkeit, sich spezielle Qualifikationen innerhalb Ihres Fachbereichs anzueignen und darin tätig werden. Beispiele dafür sind Weiterbildungen in der speziellen Unfallchirurgie oder speziellen Viszeralchirurgie.

Ärztin vor weißer Wand streckt den Zeigefinger nach links oben
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Wie lange dauert eine Ausbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin?

Grundsätzlich hat die Facharztausbildung je nach Spezialisierung eine Dauer von fünf bis sechs Jahren. Da jede Landesärztekammer eine andere Weiterbildungsordnung hat, können keine Pauschalaussagen darüber getroffen werden, welche Facharztausbildung die kürzeste ist.

Selbstverständlich erhalten Sie während Ihrer Facharztausbildung ein Gehalt. Gemäß dem TV-Ärzte/VKA ab Januar 2020 liegt das in der Weiterbildungszeit monatlich bei 5.916 Euro brutto und 70.992 Euro jährlich. Je nach Gehaltsstufe, Arbeitgeber und Spezialisierung können die Gehälter nach Abschluss der Facharztausbildung schließlich zwischen monatlich 6.186 Euro bis 7.841 Euro variieren.

Sollten Sie nach einigen Jahren oder während der Ausbildung feststellen, dass Sie mit Ihrem Fachbereich unzufrieden sind, können Sie in eine andere Facharztausbildung wechseln. In diesem Fall können Sie einen Richtungswechsel beantragen und sich je nach Situation bereits abgeschlossene Kriterien anrechnen lassen.

Grundsätzlich ist auch eine Facharztausbildung in Teilzeit möglich, je nach Landesärztekammer können die Bedingungen dafür aber variieren. In Bayern muss die Weiterbildung in Teilzeit beispielsweise die hauptberufliche Tätigkeit bleiben und mindestens 12 Wochenstunden betragen.

Förderungen in der Facharztausbildung der Allgemeinmedizin

Planen Sie eine Facharztausbildung in der Allgemeinmedizin, gibt es dafür feste Förderungen. Laut KBV werden in der Allgemeinmedizin aktuell 7.500 Stellen sowie 2.000 weitere Stellen in anderen Fachbereichen, wie der Gynäkologie oder Dermatologie, gefördert. Dabei entscheiden die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen, welche Fachgebiete zurzeit am meisten gebraucht werden. Die Förderungen dauern mindestens drei Monate, können aber prinzipiell für die gesamte Ausbildungsdauer bezogen werden.

Die Höhe der Zuschüsse können je nach Arbeitsstelle und jeweiliger Vergütung variieren, betragen im ambulanten Bereich aber meist 5.000 Euro pro Vollzeitstelle. Weitere Zuschüsse folgen beim Einsatz in bedrohten (250 Euro) und unterversorgten Gebieten (500 Euro). Dass die Förderung in der Allgemeinmedizin höher ist, zeigt sich am Beispiel der Inneren Medizin: Hier beträgt der Förderzuschuss etwa 1.420 Euro pro Vollzeitstelle. Grund dafür ist, dass bald zahlreiche Ärzte und Ärztinnen der ambulanten Versorgung ins Rentenalter kommen und für eine ausreichende Versorgung gesorgt werden muss.

Arzt hält Stethoskop gegen unterschiedliche, stilisierte Organe
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So können Sie Ihre Facharztausbildung im Ausland anerkennen lassen

Einen Teil Ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren, ist eine tolle Gelegenheit, um eine neue Kultur kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Dafür müssen Sie Kammermitglied einer Landesärztekammer sein, die Ihnen Ihren Aufenthalt anerkennen muss. Bevor Sie Ihre Facharztausbildung im Ausland beginnen, sollten Sie mit der zuständigen Landesärztekammer alle Kriterien einer Anerkennung besprechen. Voraussetzungen sind dafür in der Regel:

  • Auslandsaufenthalt von mindestens 6 Monaten in einer ärztlichen Einrichtung mit Weiterbildungsberechtigung
  • Zeugnis über die erbrachten Leistungen, die sich an der jeweiligen Weiterbildungsordnung orientieren
  • Informationen zum jeweiligen Krankenhaus (Größe, Leistungsbereich, etc.)
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