Arzt zeigt ein Herz
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Verliebt im Krankenhaus: Wie mit einer Beziehung am Arbeitsplatz umgehen?

Wo die Liebe hinfällt, das können wir alle nicht wirklich beeinflussen. Was passiert also, wenn Sie sich am Arbeitsplatz im Krankenhaus verlieben? Viele Krankenhaus-Serien zeichnen ein rosiges Bild mit absoluten Ärzte-Klischees  von heißen Flirts und Beziehungen, die das scheinbar dröge Arbeitsleben von Medizinern, Pflegepersonal und Patienten gehörig aufmischen: Die Assistenzärztin ist verliebt in den Oberarzt oder der Oberarzt in die Krankenschwester und so weiter. Doch wie ist es im realen Leben? Wo sind die Grenzen? Was sollten Sie tun, wenn Sie sich im Krankenhaus verlieben? Welche potenziellen Konsequenzen können auf Sie zukommen? All diese Fragen versuchen wir heute zu beantworten.

Herzklopfen im OP – was ist wirklich dran?

Der volle Arbeitstag von Ärzten und Pflegepersonal lässt oft nicht viel Zeit für Freizeit, Hobbys oder gar langwierige Dates. Unregelmäßige Arbeitszeiten, Stress und die hohe Belastung wirken für viele Außenstehende bei der Partnerwahl oftmals eher abschreckend als anziehend. Dazu kommen lange Nachtschichten als Arzt, die dafür sorgen, dass Sie die Kollegen ganz anders kennenlernen. Es verwundert daher kaum, dass die Partnersuche unweigerlich vor allem im Krankenhaus, also am Arbeitsplatz selbst, stattfindet.

 Immerhin zeigt eine repräsentative Studie von Viking, dass bereits 42 Prozent der Befragten schonmal einen Kollegen gedatet haben. 32 Prozent gaben an, schonmal einen Kollegen geküsst zu haben. Der Diplom-Psychologe Marcus Ernst unterstreicht die Zahlen nochmals. Die meisten Deutschen treffen die Liebe am Arbeitsplatz – schließlich verbringen wir alle dort die meiste Zeit miteinander. So ungewöhnlich und weit hergeholt ist das Herzklopfen im OP oder Dating auf den Krankenhausfluren also gar nicht.

Arzt und Ärztin stehen lächelnd nebeneinander
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Verliebt im Krankenhaus: Es also wagen?

Natürlich muss zunächst differenziert werden, um welche Art von Beziehung es sich handelt. Gerade mit Hinblick auf die Hierarchien im Krankenhaus, kann es mitunter nicht ohne Konsequenzen bleiben, wenn Sie sich am Arbeitsplatz verlieben. Ein Flirt oder eine Beziehung zwischen Chefärztin oder Chefarzt und angehender Pflegefachkraft, Krankenschwester, Oberarzt oder Assistenzarzt kann für beide Seiten ganz schnell nach hinten losgehen, da in vielen Fällen ein klares Abhängigkeitsverhältnis existiert. Daher sollten Sie grundsätzlich abwägen, was in Ihrer Situation angebracht oder absolut unmöglich ist.

 Wenn Sie sich im Krankenhaus verliebt haben, sollten Sie auch die folgenden Punkte in Betracht ziehen:

  • Die Regeln des Arbeitgebers bezüglich Beziehungen am Arbeitsplatz.
  • Ihr eigener Invest: Wie sehr hält die Beziehung im täglichen professionellen Leben Einzug?
  • Arbeit vs. Privates: Trennen Sie Privates und Berufliches strikt! Dann werden auch die Kollegen Akzeptanz zeigen.

Sollte es in Ihrem Krankenhaus klare Regeln geben, dann halten Sie sich auch daran. Denn sonst können die Konsequenzen größer sein, als Ihnen lieb ist.

Absolute Tabus

Neben den allgemeinen Hürden, wenn Sie sich im Krankenhaus verliebt haben, gibt es auch absolute Tabus. So ist eine physische Liebesbeziehung zwischen Arzt und Patient untersagt. In den meisten Berufsordnungen der Bundesärztekammer ist geregelt, dass Ärzte im Umgang mit ihren Patienten ausdrücklich „keine sexuellen Kontakte aufnehmen oder dulden“ dürfen.  Das Strafgesetzbuch macht das in § 174c Abs. 1 noch klarer: Der Missbrauch oder das Ausnutzen des Vertrauens- und Betreuungsverhältnisses zwischen Arzt und Patient kann mit bis zu fünf Jahren Haftstrafe geahndet werden, da das als klarer Übergriff gilt. 

Unklarer wird es meistens bei Beziehungen auf einer Hierarchie-Ebene oder im direkten Kollegenkreis. In diesen Fällen sollten Sie die Regeln beachten und Ihr Privatleben möglichst von Ihrem Job im Krankenhaus trennen.

Ärztin mit iPad sitzt gegenüber von einem Patienten
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Diese Konsequenzen können drohen

Natürlich geht es, wenn Sie sich im Krankenhaus verliebt haben, wie auf jeder Arbeitsstelle zunächst darum, das potenzielle Gerede der anderen Kollegen zu ertragen. Doch gerade, wenn eine Beziehung scheitert, können Konsequenzen drohen:

  • Ihr Ruf könnte dabei beschädigt werden und auch zu Ihren Patienten durchdringen und Ihre Karriere ganz schnell beenden.
  • Wenn persönliche Rachefeldzüge im Krankenhausalltag ausgefochten werden, kann Ihr Arbeitgeber mit Abmahnung oder weiteren Schritten einschreiten.
  • Wenn professionelles Arbeiten nicht mehr möglich ist, können auch Chefärzte ihre Stelle verlieren.

Diskretion wahren & privat glücklich sein

Nichtsdestotrotz sind wir alle nur Menschen und Gefühle lassen sich nicht immer kontrollieren. Besonders, wenn es sich bei der Liebelei um einen kurzen Lebensabschnitt handelt, sollten Sie das Techtelmechtel am besten nicht an die große Glocke hängen! Manchmal lohnt es sich bei einer Krankenhausliebe, dem Ganzen erstmal Zeit zu geben. Vielleicht entfaltet es sich zu etwas Gefestigtem. Dann sollten Sie sich unbedingt an Ihren Vorgesetzten wenden und die Situation offen erklären. Bestenfalls können Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin dann auf getrennten Stationen arbeiten, um Privates und Berufliches klar zu trennen.

 Wilde Küsse oder offene Liebesbekundungen sollten auf der Arbeit, gerade bei Beziehungen zwischen Ärzten, vermieden werden. Diskretion und Abstinenzgebot sind hier die Stichwörter. Damit wahren Sie Ihrer beider Professionalität und können zu Hause Ihre Liebe, die im Krankenhaus entstanden ist, voll ausleben.


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